
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Reifezeit
Die Ernte der Früchte sollte möglichst spät erfolgen. Zu früh geerntet, bleiben sie trocken und geringwertig“. Bei guter Lagerung sind die Früchte weitgehend verlustfrei bis April und (je nach Qualität des Lagers) auch länger verwendbar.
Herkunft
Der Freudenberger Nützerling ist eine Lokalsorte des Siegerlandes (südliches Westfalen) im Gebiet der Gemeinden Freudenberg, Siegen und Kreuztal. Die erste Erwähnung des Freudenberger Nützerlings findet sich in der Schrift „Zielbewusster Anbau des Baum- und Beerenobstes – unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse des Siegerlandes“, herausgegeben 1903 und 1906 (im Selbstverlag) vom Kreuztaler Lehrer Carl Kurth: „Der Nützerling ist eine Lokalsorte, die hier im Amte Freudenberg viel angebaut wird und dort sehr beliebt ist“. Die Bezeichnung „Nützerling“ dürfte die Sorte vor allem ihrer guten Tragbarkeit verdanken – in einer Region, in der aufgrund der klimatischen Bedingungen nicht jede Apfelsorte gut gedeiht.
Die genaue Entstehung oder Herkunft des Freudenberger Nützerling ist nicht bekannt. Vermutungen bzw. mündliche Überlieferungen, dass schon 100 Jahre zuvor ein Handelsreisender der damals in Freudenberg boomenden Lederindustrie Reiser aus dem Baltikum mitgebracht und hier auf einen Wildling aufveredelt hätte, konnten bisher nicht belegt werden. In einem Artikel der Siegener Zeitung aus dem Jahre 1891 von Lehrer Carl Sterzenbach aus Freudenberg („Einiges über die Pflanzung und Pflege unserer Obstbäume“) werden zwar empfehlenswerte Winteräpfel aufgezählt; der Freudenberger Nützerling ist hier jedoch noch nicht erwähnt.
Die genaue Entstehung oder Herkunft des Freudenberger Nützerling ist nicht bekannt. Vermutungen bzw. mündliche Überlieferungen, dass schon 100 Jahre zuvor ein Handelsreisender der damals in Freudenberg boomenden Lederindustrie Reiser aus dem Baltikum mitgebracht und hier auf einen Wildling aufveredelt hätte, konnten bisher nicht belegt werden. In einem Artikel der Siegener Zeitung aus dem Jahre 1891 von Lehrer Carl Sterzenbach aus Freudenberg („Einiges über die Pflanzung und Pflege unserer Obstbäume“) werden zwar empfehlenswerte Winteräpfel aufgezählt; der Freudenberger Nützerling ist hier jedoch noch nicht erwähnt.
Verbreitung
In den 1930er und 1940er Jahren hatten die Lenhauser Baumschulen Möllers & Co bei Finnentrop (Sauerland) den Freudenberger Nützerling noch in der Vermehrung. 1950 wird die Sorte noch in einer Liste der „empfehlenswerten Obstsorten im Kreise Siegen und Olpe“ des örtlichen Gartenbauinspektors Finger geführt und als reichtragend hervorgehoben. Die Baumschule Six (später Ellger) in Kreuztal-Kredenbach soll den Nützerling noch nach 1970 im Sortiment gehabt haben.
Heute ist der Freudenberger Nützerling nur noch selten im Streuobst zu finden. Bäume finden sich noch u.a. in Siegen, Freudenberg, Kreuztal, Neunkirchen/Siegerland und in den angrenzenden Gebieten des Kreises Altenkirchen/Rheinland-Pfalz. In einzelnen Baumschulen der Region ist die Sorte heute noch als Jungbaum erhältlich, so z.B. bei den Baumschule Hebel (Daaden, Kreis Altenkirchen). Reiser sind nur über örtliche Vereine erhältlich oder über die Deutsche Genbank Obst; in den deutschen Reisermuttergärten ist die Sorte dagegen nicht erhältlich.
Heute ist der Freudenberger Nützerling nur noch selten im Streuobst zu finden. Bäume finden sich noch u.a. in Siegen, Freudenberg, Kreuztal, Neunkirchen/Siegerland und in den angrenzenden Gebieten des Kreises Altenkirchen/Rheinland-Pfalz. In einzelnen Baumschulen der Region ist die Sorte heute noch als Jungbaum erhältlich, so z.B. bei den Baumschule Hebel (Daaden, Kreis Altenkirchen). Reiser sind nur über örtliche Vereine erhältlich oder über die Deutsche Genbank Obst; in den deutschen Reisermuttergärten ist die Sorte dagegen nicht erhältlich.
Frucht
Frucht mittelgroß (bei starkem Behang bzw. bei ungepflegten Bäumen klein), hochrundlich, relativ ebenmäßig, im Querschnitt rundlich, teils unregelmäßig rund oder oval; hart, nicht druckempfindlich. Schale glatt, glänzend, mitteldick, relativ hart, mürbe, baumfrisch schwach bereift.
Grundfarbe grünlich bis weißlich grün, etwas „kaltfarbig“. Deckfarbe dunkelrot, bei starker Färbung (sonnenseitig) flächig verwaschen, in den Übergängen zur Grundfarbe marmoriert bis feinstreifig, auf etwa einem Drittel bis zu drei Vierteln der Frucht. Schalenpunkte klein, insgesamt wenig auffallend, auf Grundfarbe teils grünlich umhöft, auf Deckfarbe teils hell umhöft.
Stielgrube mittelweit oder eng, mitteltief oder flach, seltener mit kleinem Fleischwulst. Seiten mal fein, mal grob schuppig berostet, Berostung teils strahlig oder fleckig auslaufend. Stiel kurz, dünn, zum Zweigansatz hin knopfig verdickt, ragt meist kaum aus der Stielgrube heraus.
Kelchgrube flach, mittelweit, teils etwas perlig-faltig, vereinzelt mit kleinen Rostspuren. Kelch mittelgroß, halboffen oder geschlossen. Kelchblättchen kurz, dicht zusammenstehend, buschig hochstehend, z.T. grünlich. Kelchumgebung flach wulstig.
Kelchhöhle dreieckig bis becherförmig, Staubfäden direkt am Stempel verwachsen. Kernhaus mittelgroß bis groß, mit geschlossener Achse; ‚Core-Line’ zwiebelförmig, mittelweit ums Kernhaus. Kernhauswände breit bogenförmig oder breit ohrenförmig, mit einzelnen, z.T. verpilzten Rissen. Kerne gut mittelgroß, ca. 9 : 4,5 mm bis 9 : 5,5 mm, dunkelbraun, unten stumpf gespitzt, ohne Glanz, matt.
Fruchtfleisch hell, schwach grünlich weiß, fast weiß, feinzellig, fest, mäßig saftig, süßsäuerlich, ohne ausgeprägtes Aroma, gering verbräunend.
Grundfarbe grünlich bis weißlich grün, etwas „kaltfarbig“. Deckfarbe dunkelrot, bei starker Färbung (sonnenseitig) flächig verwaschen, in den Übergängen zur Grundfarbe marmoriert bis feinstreifig, auf etwa einem Drittel bis zu drei Vierteln der Frucht. Schalenpunkte klein, insgesamt wenig auffallend, auf Grundfarbe teils grünlich umhöft, auf Deckfarbe teils hell umhöft.
Stielgrube mittelweit oder eng, mitteltief oder flach, seltener mit kleinem Fleischwulst. Seiten mal fein, mal grob schuppig berostet, Berostung teils strahlig oder fleckig auslaufend. Stiel kurz, dünn, zum Zweigansatz hin knopfig verdickt, ragt meist kaum aus der Stielgrube heraus.
Kelchgrube flach, mittelweit, teils etwas perlig-faltig, vereinzelt mit kleinen Rostspuren. Kelch mittelgroß, halboffen oder geschlossen. Kelchblättchen kurz, dicht zusammenstehend, buschig hochstehend, z.T. grünlich. Kelchumgebung flach wulstig.
Kelchhöhle dreieckig bis becherförmig, Staubfäden direkt am Stempel verwachsen. Kernhaus mittelgroß bis groß, mit geschlossener Achse; ‚Core-Line’ zwiebelförmig, mittelweit ums Kernhaus. Kernhauswände breit bogenförmig oder breit ohrenförmig, mit einzelnen, z.T. verpilzten Rissen. Kerne gut mittelgroß, ca. 9 : 4,5 mm bis 9 : 5,5 mm, dunkelbraun, unten stumpf gespitzt, ohne Glanz, matt.
Fruchtfleisch hell, schwach grünlich weiß, fast weiß, feinzellig, fest, mäßig saftig, süßsäuerlich, ohne ausgeprägtes Aroma, gering verbräunend.
Baum
Der Baum des Freudenberger Nützerling ist starkwüchsig, mit schrägen bis steil aufrechten feintriebigen Seitenästen, die später unter Fruchtbehang außen abkippen. Er bildet große, hochkugelige bzw. hoch pyramidale Kronen.
Die Sorte gilt als wenig anfällig für Schorf und Mehltau, wenn auch lokal auf sehr ungünstigen Standorten (mit schlechter Durchlüftung) auch Schorf beobachtet werden konnte. Auf sehr schweren bzw. staunassen Böden kann Obstbaumkrebs auftreten, weshalb lockere Böden bzw. Hanglagen bevorzugt werden sollten.
Als Jungbaum kommt die Sorte spät in den Ertrag, welcher dann in rauhen Lagen vergleichsweise hoch ist. Bei mangelnder Schnittpflege neigt der Freudenberger Nützerling zu Kleinfrüchtigkeit.
In den alten Beschreibungen hat man insbesondere seine Frosthärte und seine extrem späte Blüte hervorgehoben, weshalb er auch als besonders für Höhenlagen geeignet gilt. Als diploide Sorte ist der Freudenberger Nützerling auch ein guter Befruchter (für ebenfalls spät blühende Sorten).
Die Sorte gilt als wenig anfällig für Schorf und Mehltau, wenn auch lokal auf sehr ungünstigen Standorten (mit schlechter Durchlüftung) auch Schorf beobachtet werden konnte. Auf sehr schweren bzw. staunassen Böden kann Obstbaumkrebs auftreten, weshalb lockere Böden bzw. Hanglagen bevorzugt werden sollten.
Als Jungbaum kommt die Sorte spät in den Ertrag, welcher dann in rauhen Lagen vergleichsweise hoch ist. Bei mangelnder Schnittpflege neigt der Freudenberger Nützerling zu Kleinfrüchtigkeit.
In den alten Beschreibungen hat man insbesondere seine Frosthärte und seine extrem späte Blüte hervorgehoben, weshalb er auch als besonders für Höhenlagen geeignet gilt. Als diploide Sorte ist der Freudenberger Nützerling auch ein guter Befruchter (für ebenfalls spät blühende Sorten).
Verwechsler
Fürst Lippe, Laxton Superb, Rheinischer Bohnapfel
Anbaueignung
Alles in allem ist der Freudenberger Nützerling eine robuste Wirtschaftssorte, deren Früchte weniger durch attraktiven Geschmacke, sondern vor allemdurch ihre lange und weitgehend verlustfreie Lagerbarkeit auffallen. Ihre Bedeutung dürfte allerdings vor allem auf Höhenlagen bzw. auf solche Gebiete begrenzt bleiben, in denen attraktivere Sorten nur schwierig gedeihen.
Fruchtfotos
Baum in Blüte/Winter
Literatur
Kurth, E. (1906): Zielbewußter Anbau des Baum- und Beerenobstes. Selbstverlag d. Verfassers, 2. Auflage, Creuzthal i.W. (1906)
Kurth, E. (1914): Auswahl und Beschreibung der Obstsorten zum Anbau im Siegerlande. Verlag W. Vorländer, Siegen (1914), S. 8
Bannier, H.J. (2022): Alte Obstsorten - neu entdeckt für Westfalen und Lippe. Hrsg. Stiftung für die Natur Ravensberg. 4. Aufl. 2022, S. 43 und Bildtafel