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Geseker Klosterapfel

Verfasst von Hans-Joachim Bannier am 12 Juli 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Geseker Klosterapfel (Studiofoto)
Gefährungsgrad
vom Aussterben bedroht
Regionalsorte
ja
Reifezeit
Pflückreif ist der Geseker Klosterapfel spät, etwa Ende Oktober. Die Früchte halten in einem guten Naturlager bis April / Mai, bei vergleichsweise geringen Lagerverlusten.

In erster Linie sind die Früchte vielseitig für die häusliche Verarbeitung zu Kuchen, Mus oder Dörrobst geeignet. Sie können aber auch als mild säuerlicher Tafelapfel für den Frischverzehr verwendet werden, wenn sie auch nicht das ausgeprägte Aroma haben, das heute zumeist von Tafeläpfeln erwartet wird.
Herkunft
Ob der Geseker Klosterapfel wirklich aus dem zwischen Paderborn und Soest gelegenen Ort Geseke (Westfalen) stammt, ist ungewiss. Nach mündlicher Überlieferung soll der Apfel von Herrn Dinslage, Inhaber der gleichnamigen Baumschule in Geseke, einst in einem Arnsberger Klostergarten gefunden und dann unter dem Namen Geseker Klosterapfel verbreitet worden sein.

Genetische Fingerprints der Sorte erbrachten bisher auch kein eindeutiges Ergebnis, von welcher anderen Sorte der Geseker Klosterapfel abstammt. Eine genetische Nähe ergab sich zu den Sorten Anhalter (der dem Klosterapfel sehr ähnlich sieht), Lohrer Rambur und Rheinischer Krummstiel.

Eine erste Erwähnung des Geseker Klosterapfels findet sich in Akten des Regierungspräsidiums Minden von 1907. Dort wurden vom „Hülfsbahnwärter Josef Franke zu Verne“ Staatsbeihilfen zur Anpflanzung von unter anderem „33 Closteräpfeln“ beantragt (Verne ist Ortsteil von Salzkotten, in direkter Nachbarschaft zu Geseke). Im März 1916 wurden (lt. Stadtarchiv Paderborn) an Wegen und freien Plätzen in der Gemeinde Wewer (heute Ortsteil von Paderborn) unter anderem 30 Bäume des Klosterapfels angepflanzt.

In den folgenden Jahrzehnten bis zum zweiten Weltkrieg war der Geseker Klosterapfel fester Bestandteil aller Empfehlungslisten für Hochstammpflanzungen in der Region, z.B. auf der Empfehlungsliste für „Erwerbsobst für den Bezirk des Landwirtschaftlichen Hauptvereins umfassend die Kreise: Paderborn, Büren (Flachland), Höxter, Lippstadt, Warburg, Soest und Hamm“ des Obst- und Gemüsebauverbandes Westfalen und Lippe. Als „Lokalsorte für die Altkreise Paderborn und Büren“ wird der Geseker Klosterapfel 1937 in dem Buch „Anleitung zum Obstbau“ genannt, verfasst vom damaligen Obstbauinspektor der beiden Landkreise, Theodor Lenders.

1954 findet der Geseker Klosterapfel noch Erwähnung in einem Aufsatz über „Das Hochstammsortiment im Kreise Lippstadt“ (K. Schwiegershausen, in: Deutsche Gartenbauwirtschaft 2, 1954). Hier – wie auch in den älteren Veröffentlichungen – wird immer wieder betont, dass die Sorte „anspruchslos an Boden und Grundwasser“ sei und auch auf schwierigen Böden und bei Staunässe noch gedeihen würde. Im Stadtarchiv von Büren findet sich der Hinweis, der Geseker Klosterapfel eigne sich „für feuchte und schwere Böden“ bzw. „zum Massenanbau auf Plänerkalk, Lehm, Sand.’“.
Verbreitung
Der Geseker Klosterapfel war einst vor allem im Raum Paderborn und Soest, und hier insbesondere in den Altkreisen Lippstadt (zu dem auch Geseke gehört) und Büren im Streuobst relativ stark verbreitet. Aber auch in angrenzenden Regionen (Hochsauerland, Warburg, Nordhessen) war die Sorte gelegentlich noch im Streuobst zu finden.

Heute sind Bäume des Geseker Klosterapfels nur noch selten anzutreffen und in Baumschulen nur noch selten erhältlich. In Reisermuttergärten ist die Sorte nicht mehr gelistet.

Frucht
Frucht groß, hochgebaut, hochrund oder „kastenförmig“, stiel- und kelchseits breit abgeplattet, mittelbauchig, insgesamt unregelmäßig. Im Querschnitt (abgerundet) kantig; pflückreif hart, druckfest, auch gelagert sehr fest bleibend. Schale glatt, mattglänzend, bei Deckfarbe auch glänzend, bei Berostung rauh; trocken, dünn, beim Verzehr nicht störend.

Grundfarbe weißlich grün bis trüb flaschengrün, erst spät aufhellend, in der Reife trüb gelb. Deckfarbe trüb dunkelrot, blutrot (teils auch purpur- oder bräunlichrot), punktiert, marmoriert, verwaschen gestreift, bei starker Deckfarbe auch flächig, stielseitig oft mit auffallenden, hell umhöften Schalenpunkten. Im Stiel- und Kelchbereich oft netzartige oder fleckige Berostungen auf der Frucht.

Stielgrube variabel, eng bis weit, mitteltief bis tief. Seiten variabel nur gering oder auch stark berostet, Berostung etwas grob, graubraun, teils strahlig auslaufend. Stiel meist kurz, seltener mittellang; dünn bis mitteldick, teils etwas fleischig verdickt; meist nicht oder nur gering aus der Stielgrube herausragend.

Kelchgrube mittelweit, mitteltief, teils auch tief. Seiten mittelsteil oder steil, relativ ebenmäßig, öfters graubraun berostet. Kelchumgebung variabel ebenmäßig oder etwas kantig. Kelch mittelgroß, variabel halboffen, geschlossen oder offen. Blättchen oft kurz, am Grunde graufilzig, teils noch grün.

Kelchhöhle dreieckig, teils trichterförmig, in der Regel kurz, seltener mit Röhre bis zum Kernhaus. Staubfäden unter der Mitte verwachsen. Kernhaus eher klein, ‚Core-Line’ eng ums Kernhaus, Achse variabel geschlossen oder geöffnet. Kernhauswände schmal ohrenförmig, mit einzelnen, teils verpilzten Rissen. Kerne meist nicht zahlreich, variabel, teils auch taub, mittel- bis dunkelbraun, mittelgroß, unten stumpf gespitzt, ca. 8 bis 9 mm : 4 bis 4,5 mm.

Fruchtfleisch baumreif grünlich weiß, später gelblich weiß, fest, mittelfeinzellig, mäßig saftig, süßsäuerlich, mild, schwach aromatisch, angenehm.
Baum
Der Geseker Klosterapfel ist eine typische Streuobstsorte für die Obstwiese. Die Bäume sind starkwachsend, mit schräg aufrecht wachsenden Seitenästen, und bilden große, pyramidale Kronen.

Die Sorte ist robust gegenüber den Apfelkrankheiten Schorf und Mehltau, wenngleich an zu warmen Standorten angeblich etwas Mehltau vorkommen kann. In den alten Sortenempfehlungen wird ansonsten vor allem ihre hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Obstbaumkrebs hervorgehoben, weshalb der Geseker Klosterapfel auch an Standorten mit schwerem Lehm und hohem Grundwasserstand bzw. Staunässe noch gepflanzt werden könne.

Der Geseker Klosterapfel kommt relativ spät Ertrag und trägt dann relativ reich, aber alternierend. Austrieb und Blüte im Frühjahr zeitigen nach früheren Angaben mittelfrüh. Als triploide Sorte ist der Geseker Klosterapfel kein guter Befruchter für andere Sorten. Das Laub ist mittelgroß, dunkel grün bis etwas grau grün, vorn zugespitzt.
Verwechsler
Anhalter, Lohrer Rambur, Extertaler, Nimmermür
Anbaueignung
Der Geseker Klosterapfel dürfte zu den ganz alten Sorten der Region gehören, die mit ihren bis ins Frühjahr hinein verwendbaren Früchten früher einen großen Wert hatte. Auch heute noch ist die Sorte als robuste Streuobstsorte interessant, vor allem an Standorten mit schwierigen Bodenverhältnissen, wo andere, edlere Sorten nicht mehr gedeihen.
Fruchtfotos
Geseker Klosterapfel (Studiofoto)
Geseker Klosterapfel (Studiofoto)
Geseker Klosterapfel (geschnittene Frucht)
Geseker Klosterapfel (geschnittene Frucht)
Geseker Klosterapfel
Geseker Klosterapfel
Geseker Klosterapfel
Baum im Laub
Geseker Klosterapfel (Baum)
Jungbaum
Geseker Klosterapfel (Baum)
Literatur
Landesarchiv Detmold, Akte M 1 (Regierungspräsidet zu Minden), 368, 1904 – 1907, Obstbaumpflege, Spezialia Bd. 6, M 1 III E Nr. 368 Anträge auf Gewährung von Staatsbeihilfen zur Herstellung von Obstbaum=Anpflanzungen für das Rechnungsjahr 1907
Stadtarchiv Paderborn, Akte W Wewer 44 Paderborn, den 12. Jan. 1915: Angaben zu Pflanzungen in den Gemeinden Wewer, Dahl und Dörenhagen, an Wegen und freien Plätzen
Stadtarchiv Büren, M II 3, Band 2, o. Datum, ca, 1926) Geseker Klosterapfel für feuchte und schwere Böden, Wirtschaftsapfel zum Massenanbau auf Plänerkalk, Lehm, Sand, zum Anbau auf Hoch- und Halbstämmen
Obst- und Gemüsebauverbandes Westfalen und Lippe (ohne Datum, ca. 1930): Erwerbsobst für den Bezirk des Landwirtschaftlichen Hauptvereins umfassend die Kreise Paderborn, Büren (Flachland), Höxter, Lippstadt, Warburg, Soest und Hamm.
Kreisobstbauverband Büren (o. Datum, ca. 1938): Die empfehlenswerten Obstsorten für den Kreis Büren i. Westf. 3. Auflage
Schwiegershausen, Dr. K. (1951): Das Kern- und Steinobstsortiment im Krise Lippstadt. In: Heimatblätter, Heimatbund, 32 Jg., 1951, S. 30-32
Lenders (1937): Anleitung zum Obstbau. Vlg Serger & Hempel, Braunschweig, S. 112,
Bannier, H.J. 2022: Alte Obstsorten - neu entdeckt für Westfalen und Lippe. Hrsg. Stiftung f. d. Natur Ravensberg, Kirchlengern. 4. Aufl. 2022, S. 43 und Bildeinlage

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