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Pojnik

Verfasst von Hans-Thomas Bosch am 10 Juni 2026. Soweit nicht anders angegeben, liegt das Urheberrecht für alle Sortenfotos bei der Autorin/beim Autor.
Studioaufnahme
Gefährungsgrad
stark gefährdet
Regionalsorte
nein
Reifezeit
ab Ende September pflückreif, haltbar bis Januar/Februar
Herkunft
Der Pojnikapfel wird erstmals 1860 in der Zeitschrift "Monatschrift für Pomologie und praktischen Obstbau" von Eduard Lucas beschrieben. 5 Jahre später folgt eine ausführlichere Darstellung im "Illustrirten Handbuch der Obstkunde", ebenfalls von Eduard Lucas.

Demnach erhielt Lucas erstmals Früchte des Pojnikapfels von Franz von Nagg, dem Sekretär des Landwirtschaftsvereins Klausenburg in Siebenbürgen (Rumänien). Der bezeichnet den Pojnikapfel als die "Krone der Siebenbürgischen Kernfrüchte", vermutlich seines Aromas wegen. Lucas nennt es vorzüglich.
Von Nagg berichtet weiter, dass die Sorte ein Zufallssämling aus Siebenbürgen sei, gefunden von einem wallachischen Viehhirten um etwa 1800.
Verbreitung
Die Sorte erfährt in Deutschland trotz der anfänglichen positiven Beurteilung offensichtlich keine bevorzugte Verbreitung. In den bedeutenden Pomologien von Lauche (1882/1883), Fr. Lucas (1912) oder Müller et al (1905-1934) wird der Pojnikapfel nicht behandelt.

Ihr Vorkommen dürfte sich daher auf eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Bäumen beschränkt haben. Empirisch erhobene Daten zur Verbreitung alter Sorten wurden bisher nur sehr regional und meist auch nur stichprobenartig in speziellen Erfassungsprojekten erhoben. In einer Erfassung von Kernobstsorten im Bayerischen Nordschwaben wurden insgesamt vier Altbäume des Pojnikapfels nachgewiesen (Bosch 2020), die alle auf den Landkreis Donauries beschränkt waren. In verschiedenen Kartierungsprojekten im gesamten Regierungsbezirk Bayerisch Schwaben wurde lediglich noch ein zusätzlicher Baum im Kreis Unterallgäu erfasst.
Frucht
mittelgroße, flachkugel- bis flachkegelförmige Früchte, häufig schief gebaut; Relief etwas narbig, mit schwachen Wülsten;
Schale glatt bis trocken, etwas zäh;
matt grüngelbe bis weißgelbe Grundfarbe, mehr oder weniger keine Deckfarbe; Rostfiguren auf den Fruchtseiten, in Stielgrube mit ausgreifendem strahligem Rostklecks, Rostspuren auch im Kelchbereich;
Stielgrube mitteltief bis tief und meist weit; Stiel oft lang;
Kelchgrube (mittel-)weit und je nach Höckerausprägung mitteltief bis tief;
Kernhaus klein bis mittelgroß, Kernhauswände weitgehend glatt, Achse geschlossen
Kerne klein, eiförmig, gespitzt, wenig, aber überwiegend vollsamig;
Fleisch grünlich gelb, teils grün geadert, saftig;
mittel aromatisch, fein süßlich, gering säuerlich, schmackhaft

Besondere Merkmale:
flacher gebaute, meist schiefe Fruchtform; nahezu ohne Deckfarbe; Rostspuren im Kelchbereich und auf Fruchtseiten, strahlig berostet in Stielgrube; Stiel meist lang; kleine Kerne; schmackhaft


Baum
Die wenigen aufgefundenen Altbäume ließen aufgrund altersbedingter starker Schädigungen keine aktuelle Beurteilung zu, sie scheinen allerdings starkwüchsig. In der angeführten Fachliteratur gelten die Bäume als insgesamt robust.
Verwechsler
Verwechslungsmöglichkeiten gibt es aufgrund der Vielzahl grundfarbiger, gelber Sorten einige.

Unter den verbreitetsten Standardsorten wären als Verwechsler zu nennen: Boikenapfel, Champagnerrenette, Weißer Wintertaffetapfel oder auch Landsberger Renette.
Allen fehlt die typische Berostung der Fruchtseiten, Landsberger weist häufig eine schwache, aber typische Rötung auf; Boiken, Weißer Wintertaffetapfel und Champagner Renette sind u.a. deutlich saurer.
Fruchtfotos
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Studioaufnahme
Früchte am Baum
Früchte im Gras
Baum im Laub
Baum im Laub
Literatur
Lucas, Ed. (1860): Mittheilungen über Obstsorten aus Siebenbürgen. Monatschrift für Pomologie und praktischen Obstbau. Stuttgart. S. 132f.
Lucas, Ed. (1865): Pojnik Apfel. Illustrirtes Handbuch der Obstkunde. Band 4. Stuttgart. S. 457.
Stoll, R. (1887): Österreichisch-Ungarische Pomologie. Klosterneuburg bei Wien. 2. Auflage. S. 187ff.
Bosch, H.-Th. (2020): Besondere Apfel- und Birnensorten in Nordschwaben. Dornbirn. S. 57.
Lauche, W.: Deutsche Pomologie. Berlin 1882/1883.
Lucas, Fr. (1912): Die wertvollsten Tafeläpfel und Tafelbirnen. 3. Auflage. Band 1. Stuttgart.
Müller et al (1905-1934): Deutschlands Obstsorten. 7 Bände. Stuttgart.

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